Eine Tierfotografin auf Abwegen…


„A comfort zone is a beautiful place, but nothing ever grows there!“

Frei nach diesem Motto habe ich mich Anfang des Jahres auf die Suche gemacht nach neuen Aufgaben, neuen Herausforderungen und Ideen, aus meiner Komfortzone auszubrechen und zu wachsen. Eine dieser Ideen war dann recht schnell geboren:

Die letzten Jahre habe ich immer wieder Anfragen bekommen, Hochzeiten zu fotografieren. Ich habe bereits 3 Hochzeiten begleiten dürfen, dies ist aber schon Jahre her und alle waren ein Freundschaftsdienst. Damals hab ich mir dann geschworen, dass ich das nie wieder machen werde! Warum? Ich setze mich selbst sehr unter Druck, die wirklich tollsten Bilder zu zaubern – und gerade bei einer Hochzeit gibt es nur eine Möglichkeit, nur den einen Moment, in dem man abdrücken muss – Stress pur für mich!! Ich wollte mir diesen Stress ersparen und lieber in meiner Komfortzone bleiben, der Tierfotografie 😉 Ha – natürlich muss ich auch dort regelmäßig meine Komfortzone verlassen, aber alles in allem fühl ich mich in diesem Bereich einfach sicher.

Nun aber soll 2019 ein Neuanfang sein – in vielerlei Hinsicht – und wieso nicht diese große Komfortzone verlassen und mal etwas neues ausprobieren? Also hab ich kurzerhand den Workshop bei der lieben Sophie Häusler in Wien gebucht – bei dem ich genau das lernen sollte: Hochzeitsfotografie! 😀

Phu – kurz nachdem die Buchung dann „amtlich“ war, der Workshopbeitrag überwiesen und somit fix, dass ich am 09.03.2019 ein Brautpaar mit allem drum und dran vor meiner Linse haben werde kamen auch schon die Zweifel – Schweißausbrüche, Gedankenkarussell:
Werd ich das packen?
Kann ich da mithalten mit den ganzen tollen Fotografinnen, die in dem Bereich schon länger unterwegs sind?
Werde ich sogar negativ rausstechen?
Werde ich selbst mit den Ergebnissen zufrieden sein?
Was packe ich da eigentlich ein???

Nur einige wenige Fragen, die mir im Kopf umhergeisterten! Der Tag war auch schneller da, als gedacht und da begann schon die erste Hürde: Was packe ich in meinen Fotorucksack???

Die Vorbereitungen…

Also gut – Rucksack rausgeholt und Inhalt überprüft…hm…naja Feuchttücher werd ich wohl nicht brauchen – gibt ja eine Visagistin. Das Fotografenhalfter wird wohl auch schlecht zum Kleid passen…die Leckerli kann ich wohl auch auspacken – denke nicht dass wir mit Pferden oder Hunden shooten…Schmuck fürs Zaumzeug wird wohl auch daheim bleiben…So ging das eine Weile, bis mein Rucksack eigentlich schon ziemlich leer war! Was blieb drin? Speicherkarten, Ersatzakkus, die Kamera und ein paar Objektive (wobei ich keine Ahnung hatte, welche dafür wirklich geeignet sind! 😀 )

Eingepackt wurde an Equipment:

Canon EOS 5D MK iii
Sigma 35mm 1.4 ART
Sigma 135mm 1,8 ART
Canon 50mm 1.8
Canon 24-105mm 4.0 L (für umsonst wie sich herausstellte haha)

Und dann gings auch schon los!

Soweit so gut – mit meinem Rucksack, vielen Fragen und Unklarheiten, einem Schwarm Schmetterlingen im Bauch und nach wie vor großer Unsicherheit ging es also nach Wien – bis auf einige lebensmüde Autofahrer kurz vor der Stadteinfahrt verlief auch die Anfahrt problemlos.

Angekommen im wunderschönen Concordia Schlössl lernte ich dann auch bald meine Kolleginnen kennen – da fiel schon mal einiges an Aufregung ab, weil alle einfach so mega sympathisch waren! Sophie hatte gemeinsam mit der lieben Hochzeitskoryfee Sabine schon alles wunderschön dekoriert und vorbereitet <3 wir bekamen kleine Notizhefte und wunderschön dekorierte Kekse – alles passend zum Boho/Vintage Thema!

Es folgte der Theorieteil, bei dem Sophie wirklich aus dem Nähkästchen plauderte und wir ALLE Fragen stellen durften, die uns nur in den Sinn kamen – hier löste sich für mich ein großer Teil der Anspannung nochmal auf – es wird halt doch nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird haha – jedenfalls für mich war es schön zu hören, dass jeder immer wieder so seine kleinen Problemchen hat – dies sieht man im Social Media Bereich natürlich nicht, deswegen denkt man immer, dass es ja eh bei jedem Eitel-Wonne-Sonnenschein ist…immer…nur bei mir nicht…

Und Showdown…

Nach einer Mittagspause mit leckerem Essen war es dann soweit – die Schmetterlinge erhoben sich in mir, denn nun hieß es: SHOOTING!!!! Unsere Models waren zauberhaft – sowohl wunderschön, aber auch mega herzlich und sympathisch. Was mir im ersten Moment aber leider nicht viel half 😀

Ich fühlte mich anfangs wie ein Eisbär im Regenwald und hatte NULL Plan, was ich da eigentlich mache! 😀 Meine erste Frage war: „Bitte wie stell ich mich da hin, dass es vernünftige Bilder werden??“ Wer mich kennt und schon beim Fotografieren erlebt hat kennt das gute alte Fotografenyoga – hauptsächlich am Boden rumkriechend, hin und wieder hardcore squats oder orientalische Bauchübungen, um die Perspektive zu ändern aber doch hauptsächlich nahe dem Boden – naja…dort sind halt meine Models auch oft anzutreffen 😀 Aber hier war es anders – „nur“ Menschen zu fotografieren ist für mich einfach ungewohnt, sodass es dauerte, bis ich in meinen Flow kam. Die erste passende Perspektive war dann aber bald gefunden – da kam dann schon das nächste „Problem“ – die Kommunikation mit den Models…Wiehern oder Schnarchen wird nicht viel bringen – naja wobei, vielleicht bekomm ich dann besonders verstörte Blicke haha 😀 Auch meine Tierstimmenapp konnt ich hier nicht gebrauchen…Gott sei Dank standen unsere Models aber nicht zum ersten Mal vor der Kamera und boten von selbst schon viel an – ein Glück für mich – so konnte ich mich wieder auf meine Position konzentrieren 😉

Innerhalb weniger Minuten spürte man, wie sich der Raum zunehmends aufheizte – das konnte nur eines heißen – das Fotofieber war ausgebrochen!!! So wie ich es auch von meinen Shootings kenne, so geht es wohl jedem – ein Mal die Kamera in der Hand ist es wie ein Rausch, der über einen hineinbricht – man kann einfach nicht aufhören!!! Diese Zeit vergeht dann wie im Flug – und zu meiner Verwunderung kam auch ich bald in einen Zustand, in dem ich immer mutiger wurde – auch mal verschiedene Perspektiven ausprobierte, meine Objektive wechselte um herauszufinden, welches wie wirkt und wie ich damit umzugehen habe. Ich traute mich sogar 2 oder 3 Mal mit den Models zu sprechen und sie um verschiedene Dinge zu bitten!!! Die Blicke auf meine Kamera machten mich dann noch glücklicher – DA IST SOGAR WAS DABEI!!! Ich war unendlich stolz, dass ich auch in diesem Rahmen Ergebnisse liefern konnte, mit denen sogar ICH zufrieden bin!!!

Wenn man gerne die Zeit anhalten würde…

Die Zeit verging wie im Flug – die aufgebauten Tische mit der liebevollen Dekoration, die wahnsinnig schöne Torte und die Papeterie wollten auch noch fotografiert werden – konzentriert habe ich mich aber vor allem auf unser Brautpaar – das lag nämlich am weitesten außerhalb meiner Komfortzone 😉

Nach gefühlten 10 Minuten hieß es dann auch schon Ende des Shootings – letzte Fragen – Verabschiedung… Der Tag verging einfach rasend schnell!!! Auf dem Heimweg hatte ich glaub ich Dauergrinsen im Gesicht (muss für die anderen Autofahrer sehr verstörend gewesen sein haha) und zuhause angekommen wurden bereits die ersten Ergebnisse gesichtet und meine Schmetterlinge hüpften vor Freude!!!! Ich will euch nichts vorenthalten und zeige euch hier gerne ein paar meiner Ergebnisse!

Eines ist sicher: Das war erst der Anfang von etwas ganz Großem – einer neuen Leidenschaft, einem neuen Weg, einer großen Liebe! Ich freue mich auf alles, was da kommen mag und vor allem auf eure Anfragen – ich bin bereit!!! 🙂

Alles Liebe,

Sabrina